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Marktplatz Meppen

Die niedersächsische Kreisstadt Meppen (35.000 Einwohner/innen) zeichnet sich durch einen weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Stadtgrundriss aus, der am Zusammenfluss von Ems und Hase von einer markanten grünen Wallanlage umschlossen ist. Das Emsland ist eine boomende Radfahrtourismusregion, daher ist wesentliches Ziel der Neugestaltung die touristische Aufwertung des historischen Gesamtensembles der Altstadt. Zwar weist Meppen durch den Zuzug ein Bevölkerungswachstum auf, in Folge des demographischen Wandels ist dennoch bis 2030 mit einer Verdopplung des Anteils der über 65 jährigen zu rechnen. Demnach galt es gleichermaßen, aktuelle Nutzungsanforderungen für den täglichen Gebrauch und an die Barrierefreiheit zu integrieren.

Entsprechend wurde ein individuelles, einheitliches und durchgängiges Konzept für die Wahl der Bodenbeläge entwickelt, das nicht nur Menschen mit motorischen Einschränkungen berücksichtigt, sondern mit Hilfe sogenannter „Sonstiger Leitelemente“ auch als Orientierungs- und Leitsystem für Menschen mit visuellen und kognitiven Einschränkungen dient, ohne vordergründig als Blindenleitsystem erkennbar zu sein. Dieses Konzept, dass die inzwischen gültigen Anforderungen der DIN 18040-3 vorwegnahm, wird von der Stadt Meppen auch in weiteren Baumaßnahmen weitergetragen, so dass eine gestalterische und funktionale Durchgängigkeit bis zum Bahnhof gewährleistet ist.

Gestaltungsidee

Die Altstadt Meppens ist durch spannungsvolle Raumfolgen geprägt, die den Besucher wie selbstverständlich durch sich aufweitende und wieder verengende Räume leitet, mit Hasebrücke, Rathaus, Arenbergischen Rentei, Gymnasialkirche und Propstei als jeweiligen Blickfang. Ziel der Neugestaltung von Marktplatz und Fußgängerzone war es, diese einmalige Struktur durch einfache, klare Maßnahmen zur Geltung kommen zu lassen: Ein einheitlicher Bodenbelag, der an die im Emsland bewährte Tradition des Klinkermaterials anknüpft. Aus warmem, dunkelrot-anthrazitfarbenem, rutschfestem Klinker hergestellt, hochkant im Fischgrätverband verlegt und etwas dunkler als die Fassaden gewählt, entstand so das Bild eines meliert changierenden Tweedstoffes.

Leitsystem

Die Klinkerfläche ist durch fassadenbegleitende, sandsteinfarbene Plattenstreifen aus Betonstein gegliedert, die in der Materialität die Sandsteinapplikationen der Fassaden und in der Lage die historischen Straßenborde aufgreifen. Sie betonen die einmalige geschwungene Platzraumkontur und dienen gleichzeitig als Leitlinien für Menschen mit Einschränkungen der Sehfähigkeit.

Die deutlich unterschiedliche Verlegeart zwischen Fischgrät und Plattenbelag und der 1 cm hohe Anschlag am Belagswechsel ermöglichen blinden Menschen die taktile Orientierung. An vielen Stellen übernimmt die Leitlinie die Entwässerungsfunktion: Die Anschlagskante für Blindenstöcke ist gleichzeitig die Wasserführung. Ergänzend sind in Kreuzungsbereichen taktil erfassbare Aufmerksamkeits- und Richtungsfelder integriert.

Die Wahrnehmbarkeit für visuell eingeschränkte Menschen wird durch den im trockenen und feuchten Zustand vorhandenen Leuchtdichtekontrast der verwendeten Materialien von mind. 0,4 erreicht, der ein Kontrastsehen ermöglicht. Die Leitlinie ist von festen und temporären Einbauten, Aufstellern und Außengastronomie freizuhalten, was auch eindeutig mit den Geschäftsleuten vereinbart wurde.

Durch die dezente, aber klare Zonierung verbleibt die großzügige Platzmitte frei und kann für Märkte oder Veranstaltungen temporär genutzt werden.

Denkmal

Die archäologische Begleitung durch das Nds. Landesamt für Denkmalpflege und Beschäftigung eines Stadtarchäologen entstand durch Funde von Gründungspfählen einer Ravelinbrücke aus dem 17. Jhd.; eine pfahlgegründete hölzerne Klapp-Brücke, die den nördlichen Zugang zur damaligen Festung Meppen sicherte. Die Fundstelle wurde gestalterisch „an die Oberfläche geholt“, indem Querschnitte der Holzpfähle als gusseisener Abdruck an ihrem Original-Standort als Intarsien in den Klinkerbelag gebettet wurden.

Beleuchtung

Die Beleuchtung wurde ausschließlich fassadennah platziert: Lichtpunkte werfen ein dezentes Streiflicht auf die Fassaden und betonen die charakteristische Raumkontur. Im Kontrast bleiben die Platzflächen relativ dunkel und frei von Einbauten.